Das ORT-Framework stützt sich auf anerkannte wissenschaftliche Theorien und Methoden. Doch was bedeutet „wissenschaftlich" überhaupt — und warum ist das für Praxis und Beratung relevant?
Diese Seite erklärt die Grundlagen kompakt und modulare aufgebaut: Klicken Sie auf einen Abschnitt, um Details zu öffnen.
1.1 Nachprüfbarkeit — Unabhängigkeit von der Person
- Verhindert Willkür und „Meinung als Fakt"
- Ermöglicht reproduzierbare Entscheidungen
- Schützt vor Abhängigkeit von Einzelpersonen
„Wenn zwei Teams denselben Prozess messen, sollten sie dieselben Durchlaufzeiten erhalten — sonst ist die Messung nicht wissenschaftlich."
1.2 Reliabilität — Zuverlässigkeit
- Prozesse werden vergleichbar und auditierbar
- Entscheidungen werden stabiler und weniger situationsabhängig
- Audits und Reviews werden belastbar
„Wenn ein Risiko-Assessment heute 7/10 ergibt und morgen 3/10, ohne dass sich etwas geändert hat, ist das Instrument unzuverlässig."
1.3 Validität — Gültigkeit
- Verhindert Scheingenauigkeit (Präzision ≠ Richtigkeit)
- Schützt vor Fehlsteuerung durch falsche Metriken
- Erhöht die Wirksamkeit von Maßnahmen
„Eine Mitarbeiterbefragung misst nicht automatisch ‚Unternehmenskultur' — oft misst sie nur die aktuelle Stimmung."
„Ein Persönlichkeitstest ohne Validitätsnachweis erzeugt falsche Selbstbilder — und in der Folge falsche Karriereentscheidungen."
„Ein Team bewertet Risiken unterschiedlich, weil jeder ‚hoch' anders versteht — wissenschaftliche Kriterien schaffen gemeinsame Maßstäbe."
„Ein Reifegradmodell ohne Reliabilität führt zu falschen Investitionsentscheidungen — man investiert in scheinbare Schwächen, nicht in echte."
„Wenn Kriminalitätsstatistiken nicht valide erhoben sind, entsteht eine verzerrte öffentliche Debatte — mit realen politischen Folgen."
3.1 Fortschritt ist nicht linear
- Fortschritt bedeutet hier: bessere Kontextpassung, nicht „die Wahrheit"
- Ältere Theorien behalten Erklärungskraft für bestimmte Kontexte
- Paradigmenwechsel (Kuhn) sind eher die Regel als die Ausnahme
Neoklassik, Behavioral Economics und Institutionenökonomik widersprechen sich — und sind trotzdem alle nützlich. Das ORT-Framework nutzt alle drei je nach Kontext.
3.2 Fortschritt ist normativ — Werte sind immer eingebaut
- Homo oeconomicus vs. begrenzt rationaler Mensch — beides sind normative Vorentscheidungen
- Welche Fragen gestellt werden, bestimmt, was gefunden wird
- ORT legt sein Menschenbild offen: Menschen wollen beitragen, lernen, gestalten
3.3 Fortschritt ist politisch — Wissen hat Machtwirkungen
- Wirtschaftstheorien beeinflussen Wirtschaftspolitik, die wiederum die Wirtschaft verändert
- Managementtheorien formen Unternehmenskultur
- Wer bestimmt, was gemessen wird, bestimmt, was als Problem gilt
„Wenn man Menschen sagt, sie seien grundsätzlich egoistisch, verhalten sie sich — über Zeit — tatsächlich egoistischer." (Self-fulfilling Prophecy)
3.4 Fortschritt ist kontextabhängig
- Managementmethoden aus den USA scheitern oft in Europa oder Asien
- Regulierungsmodelle lassen sich nicht einfach übertragen
- Das ORT-Canvas ist bewusst kontextsensitiv — kein Einheitsbrei
4.1 Menschenbild als Steuerungsinstrument
- „Menschen sind faul" → Kontrolle → Misstrauen → Rückzug → Vorurteil bestätigt
- „Menschen wollen beitragen" → Autonomie → Engagement → positives Bild bestätigt
4.2 Organisationen erzeugen ihre eigene Realität
- Strukturen formen Verhalten: Was erlaubt ist, wird getan
- KPIs formen Wahrnehmung: Was gemessen wird, gilt als wichtig
- Narrative formen Entscheidungen: Was erzählt wird, wird für wahr gehalten
„Wenn nur Kosten gemessen werden, wird alles zur Kostenfrage — auch Themen, die eigentlich Investitionsfragen sind."
4.3 Gesellschaften konstruieren Wirklichkeit — kollektive Narrative
- Medienlogiken entscheiden, was als wichtig gilt
- Politische Narrative rahmen, was als möglich gilt
- Kulturelle Deutungsmuster bestimmen, was als Lösung akzeptiert wird
„Ob Migration als Bedrohung oder als Chance gilt, ist weniger eine Frage der Daten als der gesellschaftlichen Erzählung, die gerade dominiert."